Pferdeskellet

Bei den archäologischen Ausgrabungen in Suttenbrunn und Schöngrabern im Jahr 2014 konnten wir neben urgeschichtlichen Siedlungsresten möglicherweise auch Spuren der Napoleonischen Kriege nachweisen. 1805 verloren nämlich in der Schlacht bei Schöngrabern 5000 Soldaten und vielleicht auch das von uns aufgefundene Pferd ihr Leben.

Aber alles der Reihe nach:

Zu Beginn waren nur kleine Knochensplitter an der Oberfläche sichtbar. Mit jedem weiteren freigelegten Knochen erhärtete sich die Annahme, dass hier ein komplettes Tierskelett pietätvoll bestattet wurde. Nach dem vollständigen Freilegen war klar: hier fand ein Pferd seine letzte Ruhe, mitten auf einem hügeligen Acker im Weinviertel.

Zusätzlich zu den üblichen archäologischen Dokumentationsarten (Foto, Beschreibung, Vermessung, Photogrammetrie) wurde die neue Methode „Structure-from-Motion“ (SFM) angewendet. Dabei werden kreisförmig um das Objekt Fotos geschossen und danach erstellt eine spezielle Software daraus ein echtes 3D-Modell.

Bei der Entfernung der Knochen stießen wir im Bereich der Rippen auf eine Musketenkugel, die vielleicht im Trubel des Napoleonischen Krieges das Pferd getötet hatte. Am 16.11.1805 trafen nämlich die russisch-österreichischen auf die französischen Truppen, dabei wurde Schöngrabern völlig in Brand gesteckt. Die benachbarten Orte Guntersdorf, Kalladorf, Großnondorf oder Watzelsdorf wurden teilweise zerstört und geplündert. Die zahlenmäßig überlegenen Franzosen wurden dabei nicht geschlagen, jedoch aufgehalten. Im weiteren Verlauf kam es dann zur Dreikaiserschlacht in Austerlitz.

Ob dieses Pferd also während des Kriegseinsatzes als tapferes Schlachtross starb oder einfach nur als getreues Arbeitstier eines ansässigen Landwirts auf dem Grundstück begraben wurde und die Musketenkugel sich nur hierher verirrt hatte, können eventuell weitere Untersuchungen am Skelett klären.

Aktuell zu besichtigen ist es noch bis 16. August 2015 im Rahmen der Sonderausstellung „News from the past“ im Stadtmuseum St. Pölten.