Vor der geplanten Errichtung einer Wohnhausanlage durch die WSG wurde eine archäologische Untersuchung durchgeführt. Die Grabungsfläche liegt inmitten des verbauten Stadtgebietes des römischen Enns/Lauriacum. Es konnten vier römerzeitliche Baureste untersucht werden, die allesamt als private Wohnhäuser zu interpretieren sind.

Es zeigte sich anhand der Kleinfunde, dass dieses Stadtviertel vom 2. bis 4. Jh. n. Chr. genutzt wurde. Von den Gebäuden hatten sich Fundamente, teilweise auch aufgehendes Mauerwerk erhalten. Ebenso konnten noch die Fußböden freigelegt werden. Diese bestanden aus dicken Lagen Kalkmörtelguss, ähnlich unseren heutigen Estrichen, nur ohne Zementanteil. Besonders gut erhalten waren die Fundamente von Heizkanälen, die in römischer Zeit unter den Estrichen eingebaut waren: von einer zentralen Feuerstelle aus wurde unterirdisch heiße Luft durch die gemauerten Kanäle geleitet.Entlang der Außenmauern lagen mehrere Kaminstränge aus Hohlziegeln, die die Heißluft von den Heizkanälen bis unter das Dach führte und ins freie ableitete.

Diese kombinierte Fußboden/Wandheizung ermöglichte eine optimale Wärmenutzung und reduzierte die Menge an erforderlichem Brennholz. Auch die Abgasbelastung der römischen Städte konnte mit diesen effektiven Heizsystemen entsprechend verringert werden.

Zahlreiche hochqualitative Keramik und Metallfunde aus Abfallgruben kennzeichnen das untersuchte Stadtviertel als gehobene Wohngegend in römischer Zeit. Noch im 4. Jahrhundert, als das römische Reich zusehends in schwere politische und wirtschaftliche Krisen geriet, ist ein Bevölkerungsrückgang in Enns feststellbar: Die Zivilbevölkerung suchte dann bis ins 5. Jh. Zuflucht im römischen Militärlager, das mit einer massiven Mauer umgeben war. Die Stadtviertel außerhalb des mauerbewehrten Militärlagers wurden dem Verfall preisgegeben.