Das Haus in dem Beethoven wohnte in Baden.

Baden/Spratzern – Heute würden wir Ludwig von Beethoven als einen „Weltbürger“ bezeichnen. Geboren 1770 in Bonn, verbachte er den Großteil seiner Schaffenszeit in Wien. Weniger bekannt ist sein Aufenthalt in Baden. Hier vollendete er 1823 seine „Neunte Symphonie“. Das „Haus der Neunten“ soll nun in neuem Glanz erstrahlen. Dort lebte Beethoven von 1821 bis 1823. Ein Archäologenteam ist ihm auf der Spur.

Eigentlich war geplant, das Haus nur für kurze Zeit zu schließen, um es im Herbst 2014 mit dem Event beethoven@baden wiederzueröffnen. Doch während der Renovierungsarbeiten wurden in den Räumen, in denen Beethoven lebte, Wandmalereien aus jener Zeit gefunden. Daher musste das Haus früher als geplant geschlossen werden.

Parallel zur Renovierung und Bauforschung wird das Haus von der Firma ARDIG untersucht. Derartige archäologische Untersuchungen geben zusätzlichen Einblick in die Lebensweise der damaligen Zeit. So traten glasierte Keramik aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, Tierknochen, bunte Glasfragmente und einfache Alltagsgegenstände wie Knöpfe zutage. Einen besonders schönen Fund stellt ein komplett erhaltener Topf mit Deckel dar.

In den Wohnzimmern fanden sich Böden aus Kalkmörtel (16. Jhd.), Ziegel und Holz (spätes 19. Jhd.). Auf einem der Letzteren wird wohl auch Beethoven geschritten sein. Im Keller wurde der originale Steinboden aus dem 18. Jahrhundert aus seinem 300-jährigen Versteck geholt. Anfang des 18. Jahrhundert war er von einer dicken Schuttschicht verdeckt worden.

Unterhalb des Steinbodens wurde noch ein Brunnen gefunden. Neunzig Zentimeter Durchmesser misst er und aus Ziegel und Bruchstein ist er gebaut. Welchen Zweck er hat, ist für die Archäologen ein Rätsel. Verwendet wurde er wohl im 16. und 17. Jahrhundert – das zeigen gefundene Keramikreste. Dennoch, „die genaue Funktion eines Brunnens mitten im Keller ist fraglich. Möglicherweise handelt es sich um einen Sickerschacht für einen ehemaligen Handwerksbetrieb“, so ein Mitarbeiter des Archäologenteams. Bis zur Wiedereröffnung des Beethovenhauses im Herbst 2014 soll aber auch dieses Rätsel gelöst werden. Und die Antwort in einer neuen Publikation über das „Haus der Neunten“ erscheinen. (dr/ab)