Bagger in Trautmannsdorf

Trautmannsdorf/Spratzern – Seit den 1990er Jahren prägen Windräder weite Teile der Landschaft Nord- und Ostösterreichs. Bevor aber auf österreichischen Äckern neue Windräder errichtet werden, muss mitunter der Boden auf kulturelle Hinterlassenschaften untersucht werden. So etwa im nieder- österreichischen Trautmannsdorf, Bezirk Bruck an der Leitha. Hier, am Rande des Leithagebirges, werden am Gemeindegebiet von Trautmannsdorf und Sarasdorf sieben neue Windkraftanlagen errichtet.

Die Baggerarbeiten unter archäologischer Aufsicht eines kleinen Teams von ARDIG wurden von Mitte März bis Mitte Juni 2014 durchgeführt. Die begrabene Fläche für die Errichtung der Windräder betrug jeweils rund 250m². Dazu kamen noch Zufahrtswege für schwere Baufahrzeuge wie Laster und Kräne. Die Stellfläche der einzelnen Windräder selbst hat einen Durchmesser von 20m.

Unweit des zu errichtenden Windparks fanden Archäologen der Firma ARDIG auf dem Gebiet der Katastralgemeinde Sarasdorf bei Ausgrabungen im Winter 2013/14 unter anderem Reste einer römischen Siedlung. (Umspannwerk Sarasdorf) Interessante Funde und Befunde waren also auch für diesen Bereich nicht auszuschließen.

Nach Abnahme der humosen Erdschichten von rund einem halben Meter, fanden sich darunter aber zumeist nur sterile Schotter-, Sand- oder Lößschichten. Teilweise wurden die Baggerarbeiten bis auf eine Tiefe von zwei Metern archäologisch begleitet. Menschen hatten hier in den letzten hunderten und tausenden Jahren also kaum Spuren hinterlassen.

Bei der Windkraftanlage TDN 7 kamen fünf archäologisch relevante Befunde (SE 1 bis 5), Knochenfragmente, einige Keramikbruchstücke und eine Steinplatte zum Vorschein. Erste Untersuchungen datieren das Fundmaterial in Urzeit und Mittelalter bis Neuzeit. Bei Windkraftanlage TDN 9 wurden neun Befunde entdeckt. Zwei datieren in die Frühbronzezeit. Die übrigen Befunde, vier Gräben und drei Pfostengruben sind mangels Fundmaterials nicht datierbar.

Am aufschlussreichsten ist die Anlage TDN 10. Hier kamen 31 Befunde zum Vorschein. Einige davon datieren in die Frühbronzezeit. Der Großteil der Gruben war fundleer und lässt sich nicht zeitlich einordnen. Einige Pfostengruben zeigen eine regelmäßige Anordnung. Es sind die Reste von Siedlungsbauten. Die Fundstelle war vor tausenden von Jahren ein Siedlungsplatz.

Parallel zu den Baggerarbeiten für den Windpark Trautmannsdorf Nord konnte die Firma ARDIG neue Erkenntnisse des Lebens in Ostösterreich aus längst vergangenen Zeiten sammeln. Die gesammelten Daten werden nun wissenschaftlich ausgearbeitet. Währenddessen wurde die Fläche für weitere Bauarbeiten vom Bundesdenkmalamt freigegeben. Der Bebauung der letzten windkraftfreien Flächen steht zumindest hier in Trautmannsdorf nichts mehr im Wege. (dr)