Michael Raab mit der Kettensäge

Der Michelsberg im südlichen Weinviertel ist, wie wir wissen, schon seit der Urgeschichte besiedelt und genutzt worden.

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges stand auf seiner Südwest-Flanke eine Funkmessstation der deutschen Wehrmacht. Hier war ab 1942 an einer verbesserten Leitstrahltechnik für die Zielanflüge deutscher Bomber gearbeitet worden, bis die Station 1945 von den abrückenden Wehrmachtssoldaten gesprengt wurde.

Die Fundamente der Funkleitstrahlgeräte – gewaltige Betonringe – wurden bereits 2010 bis 2013 archäologisch untersucht; jetzt, 2015, durften wir die Überreste der Mannschafts- und Versorgungsgebäude dokumentieren. Die weitläufigen Fundamente waren aber von dichtem Gestrüpp bewachsen, wir mussten also mit der Motorsense ausrücken und die historischen Mauern vom Dickicht befreien.

Insgesamt wurden drei Objekte aufgenommen:

Im Norden befand sich ein Mannschaftsgebäude, die Betonwände waren zum Teil hoch erhalten und schon vor der Rodung weitgehend gut sichtbar. Sie erreichten im Südosten eine Höhe von 2,4 m über dem heutigen Waldbodenniveau. Der originale hölzerne Aufbau war nicht mehr vorhanden. Im Grundriss zeigte sich ein längliches, rechteckiges Gebäude mit mehrfachen Raumunterteilungen. Bei diesem Baubefund konnte eine Einteilung in neun Räume vorgenommen werden. Der größte Raum A mit Innenmaßen von 17 x 5,7 m lag im Nordwesten. Eine der Räumlichkeiten konnte durch einen eingestürzten Fußboden mit Fliesen als Sanitärraum gedeutet werden. Im Süden des Baubefundes befand sich ein Treppenzugang. Interessanterweise existierten zwei weitere Eingänge.


Südlich des Mannschaftsgebäudes konnte ein weiteres Objekt dokumentiert werden. Es handelte sich um eine, aufgrund des abfallenden Geländes, befestigte Plattform. Ihre ursprüngliche Nutzung als Werkstättenhalle kann angenommen werden: Hinweise auf die Funktion gab eine rechteckige Montagegrube. Dem dritten, südlich gelegenen Objekt konnte keine spezifische Funktion zugewiesen werden.

Vorher Nachher
voher/nachher


Wir werden in weiterer Folge einen detaillierten Bericht mit historischen Quellen erstellen. Wir sind guter Dinge, dem Michelsberg weitere Rätsel entlocken zu können. Das Forschungsprojekt wird vom Land Niederösterreich gefördert, und in Kooperation mit dem NÖ Landesmuseum - HR. Dr. Ernst Lauermann - durchgeführt.